Turniere
Im ETF-Escrima können Sie auch freiwillig an deutschlandweiten Turnieren
teilnehmen.
Momentan sind die für unsere Region am nächsten erreichbaren
Städteturniere in Saarbrücken und Frontenhausen (bei München).
In der Einstiegsklasse können Sie "nur" am Hiebfechten teilnehmen. Erst wenn Sie sich durch mehr Turniererfahrung bewiesen haben können Sie auch an fortgeschrittenen Klassen (z.b. Stockkampf/Speer/Schwert und Schild) teilnehmen.
Nachfolgend ein Fachartikel von Bernd Schubert über den Sinn von Escrima-Turnieren (diesen Artikel und viele andere können Sie auch unter www.etf-escrima.de nachlesen):
Was bringen Escrima Turniere dem Aktiven?
Die Turniere sollten für den Einzelnen mentaler Prüfstein sein und die
Möglichkeit bieten herauszufinden, ob man in der Lage ist, das Trainierte
auch unter dem Stress und der Härte einer echten Auseinandersetzung
umzusetzen, in der einen der Gegner im wahrsten Sinne des Wortes "schlagen" will
.
Es geht uns nicht um die Ausrichtung "ultimater" regelloser Kämpfe, sondern
im Gegenteil darum, den Aktiven ein sportliches Messen zu ermöglichen, bei
dem Realitätsnähe, Streßbelastung und Kämpfersicherheit in
gesundem Einklang stehen.
So gelten Boxer zum Beispiel, trotzdem es sich beim Boxen ja um einen
reglementierten Sport handelt, im Volksmund zurecht nicht als
realitätsfremd. Man geht mit Recht davon aus, daß sich ein Boxer im
Ring genügender Überprüfung unterzogen hat, um ihn jederzeit ernst
nehmen zu müssen.
Und genau darum geht es für Jeden, der Selbstverteidigung in irgendeiner
Form ernsthaft für sich in Betracht zieht. Und das ist es, was wir meinen ,
wenn wir von mentalem Training und Streßkontrolle sprechen. Innerhalb der
ETF halten wir eine solche Überprüfungsmöglichkeit zur Erreichung
der Trainingsziele für sehr wichtig.
Darüberhinaus geht es uns darum, das Image eines modernen, intelligenten "Gentlemensportes" zu pflegen, wo es darum geht mit mentaler Stärke, Strategie und Finesse über rohe Kraft und Gewalt zu triumphieren und bei dem besonders auch junge Menschen die Möglichkeit haben sollen, den Wert von Haltung, Fairplay, Regeln und kultiviertem Kampfgeist zu erfahren, die Kraft des eigenen freien Willens zu entdecken und möglicherweise an die Stelle von Alkohol, Drogen, Gewalt und Perspektivlosigkeit zu setzen. Junge Leute sollten die Möglichkeit haben überschüssigen Energie über die sie ja nun mal verfügen – in legale Bahnen zu lenken und auf dem Fechtboden in zivilisierter Form zum Zwecke ihrer eigenen Persönlichkeitsentwicklung positiv zu nutzen. Ganz im Sinne von Johann Wolfgang von Goethe; wonach sich jeder seiner Studenten auf Grund der charakterbildenden Werte auch auf dem Fechtboden bewähren sollte. Eine sicherlich auch heute wieder zeitgemäße Überlegung, wo doch nicht wenige Jugendliche auf Grund eigener Identitätskrisen und mangelnder Perspektiven auf Abwege geraten. Und genau hier könnte Kampfsport in der Tat positive Akzente setzen und wertvolle Arbeit für die Gesellschaft leisten.
Der große Vorteil der Escrimaturniere liegt auch darin, daß man eine Schutzausrüstung trägt, welche es ermöglicht, sich einer harten Auseinandersetzung zu stellen und am nächsten Tag ohne Blessuren wieder im Berufsleben stehen zu können. Die augenscheinliche Bedrohung durch die eingesetzten Turnierwaffen führt zu einem erheblichen Streßfaktor, ohne das die Gesundheit wirklich bedroht wäre, da man ebend geschützt ist. Durch die klare Trennung von Fechtkategorie (Klingen) und Stockkampf (stumpfe Waffen + waffenloser Nahkampf), gehen dem Aktiven die notwendigen unterschiedlichen Verhaltensmuster auch für die Selbstverteidigung in Fleisch und Blut über und verbessern somit entscheidend seine Optionen in der Realität.
Nahdistanz beim Stockkampf?
Da Rangeleien zum gewohnten Bild von Auseinandersetzungen gehören, und zwar
gleichermaßen bei Wirtshausschlägereien, wie in der alltäglichen
Arbeit von Sicherheitskräften, als auch im Turniersport – insofern man
sie nicht durch Regeln unterbindet, sollen unsere Turniere solche realen
Szenarien auch widerspiegeln. Bei waffenlosen Streitereien bzw.
Auseinandersetzungen mit stumpfen Waffen (Stöcken, Keulen etc,) ist ein
Reingehen in die Nahdistanz eines oder beider Kontrahenten ganz natürlich
und es entstehen daraus zwangsläufig Rangeleien, aus denen sich dann der
weitere Kampfverlauf ergibt. Diese Situationen gilt es zu beherrschen, will man
nicht im Ernstfall Schiffbruch erleiden, denn es handelt sich um eine wichtige
und oft entscheidende Phase eines Kampfes. Läßt man diese
Überlegung zu und bezieht sie in sein Training mit ein, ergeben sich gerade
daraus sehr wirkungsvolle Siegstrategien.
Für berufsbedingt exponierte Personen, gemeint sind z.B. Streifenpolizisten,
Strafvollzugsbeamte, Pfleger in der Psychatrie und Sicherheitskräfte in den
Bereichen Veranstaltungssicherung (auch Türsteher), Objektschutz und
Verkehrsmittelbewachung, gehören solche Situationen zum ständigen
Erleben. Und die hier benötigten Fähigkeiten stellen auch - quasi in
Quintessenz - die Grundlagen verhältnismäßiger Selbstverteidigung
für den Normalbürger dar, nur daß dieser viel seltener –
wenn überhaupt – die Möglichkeit hat real zu erfahren, welche
Fähigkeiten zu seinem Schutz wirklich notwendig sind. Ganz bewusst spreche
ich nicht über Einzeltechniken sondern über komplexes Kampfverhalten,
daß durch Rollensparringsübungen, Kampfspiele und
Streßkontrolltraining zu echten Routinen entwickelt werden muß. Dazu
gehören diverse Basisprinzipien zur Gegnerkontrolle, wie Balancebrechen,
physischer und mentaler Druck zum Gegner, Ignoranzprinzip, Offensivprinzip,
Initiative ergreifen, Universalität der Bewegung usw., um nur einige zu
benennen.
Die Angriffe eines auf den Nahkampf fixierten Kämpfers (z.B. eines Ringers) unbewaffnet einfach aus der Distanz mit Schlägen und Tritten beantworten zu wollen und ihn so aufzuhalten, ist ja auch zumeist zum Scheitern verurteilt, wie es in pseudosportlichen Wettkämpfen der letzten Jahre zwischen Ringern, Jitsu-Leuten, Kickboxern und Boxern ja hinreichend unter Beweis gestellt wurde. Für Leute aus der Sicherheitspraxis ist das eigentlich ein alter Hut. Daraus zu schließen, nun selbst mit Bravour den Bodenkampf anzusteuern, würde oft bedeuten übers Ziel hinauszuschießen. Dies wird einem spätestens klar, wenn man einmal einen Bösewicht erfolgreich zu Boden gebracht hat, und dann plötzlich fünf seiner Rockerkollegen grinsend drumherum stehen und mit gezielten Stiefeltritten „ein bischen korrigieren". Sollte man je wieder Gelegenheit dazu haben, wird man danach sicherlich nach weniger riskanten Lösungen suchen!
Nur bei einer Konfrontation mit scharfen Klingen (z.B. Schwertduell) stellt sich
eine andere Situation dar, da nun der gesamte Raum, den die Klinge bestreichen
kann , quasi "radioaktiv" ist und ein unterlaufen nur zu leicht tödlich
endet.
Deshalb werden Kämpfer ohne Schild und Rüstung hier in der Regel -
vernünftiger Weise – versuchen, den Gegner "von außen" zu
fighten und den Nahkampf tunlichst zu vermeiden.
Übrigens kann in unserer Klingenkategorie hierzu jeder sehr leicht eigene Erfahrungen sammeln.
Was also ist die Antwort für den Nahkampf ?
Nun, man sollte zu winkeln und zu pushen (schubsen) wissen, um die Balance des Gegners über seine schwachen Flanken zu erschüttern, dadurch dessen Griffe und Schläge im Ansatz zu ersticken und selbst erfolgreich Treffer in geschaffene Lücken anzubringen. Und dieses sollte viel geübt werden! Nahkampfsituationen bzw. Rangeleien durch Regeln im Wetthampf zu verbieten, würde letztlich bedeuten, auf wirkliche Selbstverteidigungssituationen - und damit auf den realen Ernstfall nicht mehr ausreichend vorbereitet zu sein. Für Selbstverteidiger, wie für Sicherheitskräfte wären solche Wettkämpfe der falsche Sport! Und genau dieser Punkt, lag uns in all den Jahren, in denen wir die Entwicklung des Turniersportes im Escrima vorangetrieben haben, immer besonders am Herzen - ist doch gerade Escrima traditionell besonders progressiv und realitätsorientiert!
Sich schlagen wie in Hamlet?
Wir, die lnitiatoren der ETF sind seit I983 im Turniersport aktiv. Seit l988 richten wir selbst Turniere aus, bisher haben sich dadurch Erfahrungen aus über 600 Turnierzweikämpfen ergeben, von denen wir natürlich profitieren . Zusätzlich haben einige unserer langjährig Aktiven Erfahrungen auf internationalen Turnieren anderer Ausrichter gesammelt, auf die wir ebenfalls zurückgreifen können. Unsere Turniere sollen den Aktiven eine breite Palette unterschiedlicher Kampfsituationen bieten, so gibt es bei uns zum einen die "echten" Stockkämpfe( Kurzstock) - bei denen man im Nahkampf auch punchen, treten, schubsen, ziehen, hebeln usw. darf. Hier gibt es 3 Gewichtsklassen: unter und über 80kg und über 110kg. Und in der Klingenkategorie (Escrima Fechtwaffen) – die auch weniger Hartgesottenen durchaus zu empfehlen ist – geht es gedanklich um die Auseinandersetzung mit scharfen Klingen (Schwertern) und es wird entsprechend gewertet. Da Nahkampf hier relativ unwahrscheinlich ist, sind Gewichtsklassen unnötig. In der Allkategorie der Fortgeschrittenen werden ohne Gewichtslimit unterschiedliche Waffengänge quasi wie in Shakespeares "Hamlet" ausgetragen: Doppelschwert, Stockkampf, Zweihänder, Speer und Schwert + Schild. Die hier gebotenen Kämpfe sind nicht nur für die Aktiven selbst sehr attraktiv, sondern auch für das Publikum sehr spektakulär und spannend .
Und es macht einen "Heiden"-Spaß!
In diesem Sinne wünschen wir allen Aktiven auf unseren Veranstaltungen viel Spaß, Glück (gehört zu einem guten Teil ja auch immer rnit dazu) und Geschick, und das sie genau den Nutzen aus den auf Turnieren gemachten Erfahrungen ziehen mögen, den sie sich wünschen!
Text: ETF-Schubert