ETF-Escrima
Der Escrima-Vollkontakt-Champion und Sicherheitskräftetrainer Bernd Schubert aus Hamburg hat mit dem ETF-Combat-Escrima eine modernisierte Version des traditionellen philippinischen Escrimas geschaffen. Diese moderne Form entstand durch den Verzicht auf überflüssige Zeremonien und der Ausrichtung auf eine möglichst realistische Nutzbarkeit. Ziel ist es, Escrima möglichst schnell zur Selbstverteidigung nutzen zu können. Neben dem Spass am Training hat Escrima weitere positive Effekte: schnelle Verbesserung der körperlichen Fähigkeiten und vor allem Stärkung der mentalen Kraft in Extremsituationen.
Das Training teilt sich in 3 Bereiche:
- Waffenlos (Kadena Selbstverteidigung und Pinoy Boxen)
- Stumpfwaffen (Stöcke verschiedener Länge)
- Klingenwaffen (Klingen verschiedener Länge)
Letztlich wird man in der Selbstverteidigung erst durch das Training aller drei Grundbereiche wirklich in der Lage sein, instinktiv und sinnvoll zu handeln und die gesamte Komplexität menschlicher Auseinandersetzung zu verstehen!
Geschichte
Als Escrimadores wurden
auf den Philippinen lange Zeit in spanischen Diensten stehende Einheimische
bezeichnet, die gegen ihre eigenen Landsleute die Interessen der Spanier
durchsetzten. Escrima diente fast vierhundert Jahre lang der Durchführung
polizeilicher Aufgaben, zum Eintreiben von Steuern, zur Bekämpfung von
Rebellen und der Niederschlagung von Revolten. Ursprünglich als trainierte
Krieger aus umliegenden Dörfern kommend, praktizierten die Escrimadores nach
militärischer Ausbildung durch die Spanier, eine Verbindung aus
geheimnisvoller südostasiatischer Kampfkunst und rationaler
europäischer Hiebfechtschule, die über die Jahrhunderte eine eigene,
einzigartige Identität des Escrima hervorbrachte.
In den zwanziger Jahren gingen Filipinos nach Amerika, um mit ihren Methoden Geld
im Profiboxen zu verdienen. So kam Escrima nach Californien und wurde von den
Pinoys (so nannten sie sich) dort weiter gepflegt und praktiziert. Viele namhafte
Champions kamen in dieser Zeit aus ihren Reihen und beeinflußten nicht
unerheblich den amerikanischen Boxsport. Dadurch ging die
dreißigjährige Ära des Pinoy-Boxens letztlich in die
amerikanische Boxgeschichte ein.
Im zweiten Weltkrieg waren Escrimadores aktiv im Guerillakampf an der Bekämpfung invasierender japanischer Truppen beteiligt, indem sie deren Anführer ausschalteten, im Dschungel marschierende Truppen dezimierten und Nachschubwege unterbrachen. Ebenso wurden sie an der Seite amerikanischer Truppen in Spezialkommandos eingesetzt, wo sie sich teils große Verdienste erwarben.
Aber was ist das klassische Escrima heute für uns ?
Da wir die Konzepte des ETF-Combat-Escrima über Jahrzehnte hinweg
AUSSCHLIEßLICH in Hinblick auf ihre Wirksamkeit, sowie professioneller
Erfordernisse zum Selbstschutz von Sicherheitskräften trainiert und
optimiert haben, befinden sich unsere Trainingsmethoden heute besonders in
Hinblick auf pragmatische Selbstverteidigung auf einem entsprechend weltweit
hohen Niveau.
Beruflich sahen wir uns nicht selten jemand gegenüber, der plötzlich
meinte, uns mit den Fäusten niederstrecken zu müssen. Und mit
derartigen körperlichen Übergriffen mussten wir dann irgendwie zurecht
kommen. Das derjenige uns, wenn sein Bemühen zu schlagen erfolglos blieb,
vielleicht auch noch zu unterlaufen und niederzuringen versuchte, gehörte
praktisch zum Alltag. Etliche Male griffen Aggressoren - zusätzlich zu
Schlagwerkzeugen und Messern. Außerdem war so ziemlich jede Variante eines
solchen Szenarios denkbar.
Von Anbeginn haben wir uns deshalb auch im Training mit Boxern, Kickern, Ringern
und Fechtern unterschiedlichster Stile gemessen und uns immer weiter in unseren
eigenen Methoden optimiert. Wir begannen zu verstehen, für welche Bühne
z.b. ein Boxer trainiert, was den Erfolg in seinem Sport ausmacht und was wir im
Gegensatz dazu für ‚unsere Bühne’ beherrschen mussten, um
erfolgreich zu sein.
Und dies hat letztlich zu einer besonderen Sicht und ganz speziellen
Übungskonzepten geführt – die eben vornehmlich dazu dienten, eine
Schlägerei oder z. b. eine Messerattacke bestmöglich zu
überstehen.
Unsere wichtigsten Hiebfecht- und Pinoyboxlehrer waren über fast zwanzig Jahre philippinische Escrimaleute (Pinoys) aus Kalifornien (USA). Wenn man nun bedenkt, daß Escrima seine Wurzeln durch spanischen Einfluß zu mindestens 85% in Europa hat, wir ja hauptsächlich in Amerika gelernt haben (nachdem Escrima dort ja bereits über 60 Jahre existierte), sowie auf mittlerweile über 25 Jahre Escrimapraxis in Deutschland zurückblicken, wird klar, wieso sich im ETF-Combat-Escrima inzwischen eine eigene, europäisch rationale Sichtweise und Methodik entwickelt hat.
TEXT: BERND SCHUBERT